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Knacken Sie die Profifrage

LED-Profis über die Schulter geschaut

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Qualität und Performance einer LED-Leuchte werden nicht allein durch die Güte des Chipmaterials und seiner Konversionsschichten bestimmt. Vielmehr trägt eine weitere, wesentlich durch den Energieprofi vor Ort zu verantwortende Größe zur Leistungsabgabe des Leuchtmittels bei.

 

Wie heißt diese Größe? Kann diese mit einer einfachen Versuchsanordnung dargestellt werden? Welche Wirk-Mechanismen greifen im Hintergrund?

 

Die LED-Technologie entwickelt sich immer mehr zum Innovationsmotor der Lichtbranche. Heutige weiße Hochleistungs – LED – Leuchten weisen beachtenswerte Betriebswirkungsgrade auf. Weitere Steigerungen sind zu erwarten. Hierbei spielen neben neuen Chiptechnologien auch Verbesserungen der Leuchtstoff-Konversionsschichten eine wichtige Rolle. Neben diesen technischen Größen wird die zukünftige Performance des Leuchtmittels aber auch durch eine vom Energieprofi vor Ort zu verantwortende Größe sehr wesentlich beeinflusst.

Um uns verständlich diesem Thema zu nähern, schauen wir einfach einmal  LED-Profis bei einem reproduzierbaren Experiment über die Schulter.

 

Anordnung des Experimentes und Durchführung

Drei baugleiche, bernsteinfarbene 4-W LED-Module werden in einer Holzfassung nach Abbildung 1 montiert. Die elektrische Versorgung wird durch einen LED - Treiber sichergestellt. Zusätzlich wird an jedem LED-Modul seitlich ein Temperaturfühler montiert und mit einem elektrischen Thermometer verbunden.

 

Die Rückseiten der LED-Module werden im Versuch auf drei verschiedene Arten verbaut (s. Abb. 1):

a) Montage mit freiem Luftzutritt    b) Montage mit 1 cm Steinwollumhüllung

c) Montage mit 1 cm  PU-Schaumumhüllung („Bauschaum“).

 

Danach werden die Module eingeschaltet. Nach einer Betriebsdauer von 30 Minuten wird die Oberflächentemperatur der Module bestimmt, sowie mit Hilfe eines Luxmeters und eines Aluminiumrohres das relative Verhältnis der Lichtströme gemäß Abb. 2 gemessen.

In Abhängigkeit der rückseitigen Verbauung verändert sich die gemessene Oberflächentemperatur und der austretende Lichtstrom eines LED-Moduls gemäß der in Tabelle 1 aufnotierten Ergebnisse.

 

rückseitige

Isolation

Wärmeleitfähig-

keits-Koeffizient 

(W / m K)

Gehäuse-

Temperature

(°C)

relativer Lichtstrom

(%)

Modul a

Luft

0,02

46

100

Modul b

Steinwolle

0,05

58

  74

Modul c

PU-Schaum

0,03

74

  53

  Tabelle 1 Temperatur- und Lichtstrommessungen an drei verschieden verbauten LED-  Modulen (Messlabor, Philips
   Lighting Academy).

 

Vereinfacht lässt sich Tabelle 1 wie folgt zusammenfassen:„Je höher die Betriebstemperatur des LED-Moduls, desto geringer wird dessen abgegebener Lichtstrom“. Übrigens: Alle Ergebnisse dieses Experimentes stimmen mit Labormessungen an unverbauten beziehungsweise auf einer Heizplatte montierten LED-Lampen im Messlabor der Philips Lighting Academy überein.

 

Mechanismen im Hintergrund

Bei Bezug auf den Wärmeleitfähigkeitskoeffizient weist Luft mit 0,02 W / m K die in der Versuchsanordnung die stärkste Isolationswirkung auf. Damit ist das nicht hinterbaute Modul das am Besten isolierte und müsste eigentlich die höchste Oberflächentemperatur aufweisen.

 

Die Kühlung der Module über „Wärmeleitung“ kann jedoch nur bei ruhenden Materialien, also in Feststoffen beobachtet werden. Die gemessenen Gehäuse-Betriebstemperaturen von unterhalb 100 °C kühlen sich überwiegend durch Wärmeleitung (Konduktion) und Wärmeströmung (Konvektion) ab. Der Wärmetransportmechanismus Wärmestrahlung kann bei den im Versuch erreichten niedrigen Oberflächentemperaturen vernachlässigt werden.

 

So ist die Modul a) umgebende Luft in ständiger Bewegung und eignet sich trotz des geringerem Wärmeleitfähigkeitskoeffizient im Vergleich zu Steinwolle und PU-Schaum hervorragend zum Wärmeaustrag über Wärmeströmung. Die Kühlrippen unterstützen die Luftströmung entlang des Moduls wesentlich und tragen so zu einer höheren Effizienz des Leuchtmittels bei
(siehe auch Abb. 3).

 

Im Gegensatz dazu ist durch die Abdeckung der Rückseite mit Steinwolle bei Modul b) in der Versuchsanordnung der Luftzutritt schon stark behindert. Die völlige Verkapselung der Rückseite mit PU-Schaum von Modul c) unterbindet den direkten Luftaustausch: Das Modul heizt sich auf, bis sich bei 74° C Gehäusetemperatur ein thermisches Gleichgewicht mit der Umgebung einstellt. Die überschüssige Wärme wird nun hauptsächlich über die Moduloberfläche sowie die seitlichen Holzwände abgeführt und verursacht so eine bemerkenswerte Verringerung des relativen Lichtstroms um 47 Prozent.


 

Ergebnis und Zusammenfassung

Hochleistungs-LEDs geben je nach Wirkungsgrad und Farbe etwa 15 - 45 Prozent Licht ab. Zwischen 55 – 85 Prozent der aufgenommen elektrischen Energie müssen dabei über die Gehäusewand des LED-Moduls und LED-Leuchte abgeführt werden.

 

Bei den niedrigen Chiptemperaturen von 80 bis150°C, ist eine vollständige Kühlung des Leuchtmittels durch direkte Wärmeabstrahlung technisch unmöglich. Aus diesem Grund kommt der thermischen Verbauung der LED eine ungleich wichtigere Rolle zu, als bei klassischen Lichtquellen. Wie im Experiment anschaulich dargestellt, mindert Wärmestau, hervorgerufen durch einen unsachgemäßen Verbau beziehungsweise eine unterbrochene Kühlung den Lichtstrom bis beinahe 50 Prozent. Zusätzlich wird die Lebenserwartung des Leuchtmittels sowie der integrierten Steuerelektronik durch diese Temperaturen deutlich reduziert.

 

Alle Hochleistungs-LEDs, unabhängig vom Hersteller, weisen in gleicher Weise diese erhöhten Anforderungen an die Kühlung auf. Moderne LED - Leuchten besitzen daher heute gut sichtbare Kühlrippen um die überschüssige Wärme durch eine möglichst große Oberfläche sicher abzuleiten.

 

 

 

Dr. habil. Roland Heinz

 

Philips Lighting Academy

Technische Universität Graz


Hinweis in eigener Sache: Zum Thema bieten wir in Zusammenarbeit mit der Philips Lighting Academy zwei für den Energieprofi hoch interessante Veranstaltungen an. Termine folgen in Kürze.

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 Abb. 1 Darstellung des Aufbaus:
obere Reihe: Vorderseite mit LED und Temperaturfühler;
Darstellung untere Reihe: Rückseite mit Verbauung,
a) freiem Luftzutritt, b) Steinwolle und c) PU-Schaum

 

Abb. 2 Relative Lichtstrommessung am LED-Modul über Aluminium-Rohr und Luxmeter

 Bild  
 

Abb. 3: Werkbild Phillips - LED Downlight 18W,
1100 lm (57 lm/W) mit Kühlrippen zur Steigerung
der Lichtausbeute

 
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